Etrian Mystery Dungeon – Das Beste aus beiden Welten

Auf dem Nintendo DS war Etrian Odyssey noch ein Geheimtipp, der es sogar bis zu uns nach Europa schaffte. Leider nur Teil 1, den Nintendo selbst bei uns veröffentlichte. Teil 2 und 3 erschienen nur in Amerika, doch die 3DS-Titel fanden auch den Weg zu uns, da sich mittlerweile herumsprach, dass die Reihe durch Old-School-Dungeon-Crawler-Gameplay besticht. Jetzt wurde das Universum gepaart mit der Mystery-Dungeon-Reihe, die in Japan bereits seit Super-Famicom-Zeiten höchst erfolgreich ihre Kreise zieht. Das Beste aus beiden Welten sozusagen. Herausgekommen ist Etrian Mystery Dungeon, das sich als echter Zeitkiller erwiesen hat.

Etrian-Mystery-Dungeon-ProtectorDie Geschichte ist dabei denkbar einfach gehalten: Als furchtloser Abenteurerneuling führt uns unser Weg in die beschauliche Gebirgsstadt Aslarga, die sich in der Nähe eines Höhleneingangs befindet. Dort, in den tiefen Gewölben, hausen nicht nur gefährliche Monster, sondern auch sagenhafte Schätze, die man selbst natürlich heben möchte. Doch da man sich nur ungern in das Gebiet allein wagt, schaut man in der örtlichen Gilde vorbei, um ein paar Kumpanen zu rekrutieren. Diese entstammen aus bis zu zehn Charakterklassen, von denen anfangs aber nur sechs freigeschalten sind. Diese können nicht unterschiedlicher sein. Zum einen haben wir einen Landsknecht, der geschickt mit seinem Schwert umzugehen weiß, oder auch Klassen wie den Runenmeister, der anhand von Elementarmagie die Feinde mit Feuer, Eis und Blitz die Hölle heiß macht. Eine gute Planung für eine ausgewogene Truppe ist der Schlüssel zum Erfolg, da in den Gewölben viele Gefahren lauern.

Etrian-Mystery-Dungeon-01Beim Mystery-Dungeon-Prinzip, in Japan bekannt als Fushigi no Dungeon, bewegt man sich rundenbasiert in zufallsgenerierten Dungeons auf der Suche nach Schätzen. Genauso findet man dort Monster vor, die sich ebenso zugbasiert bewegen. Um sie zu bekämpfen, macht man von seinen Waffen und  seiner Magie Gebrauch, wobei der Spieler nur die Rolle von einem Helden gleichzeitig übernimmt. Die Kontrolle der Kumpanen übernimmt die CPU. Damit diese nicht unnötig alle TP für Spezialattacken raushaut, könnt ihr per Menü die Fertigkeitennutzung der CPU einschränken. Erschlagt ihr die Monster, erhaltet ihr wichtige Erfahrungspunkte und mit etwas Glück auch Materialien, die ihr in der Stadt wieder verkaufen könnt. Diese werden dazu genutzt, um neue Ausrüstung herzustellen. Das ähnelt zwar ein wenig den Monster-Hunter-Spielen, ist aber weniger verzweigt, da jeder Monstertyp nur einen Rohstoff besitzt. So werdet ihr jedes Mal stärker, wenn ihr aus dem Gewölbe zurückkehrt und euch mit neuen Waffen und neuer Ausrüstung eindeckt. Doch damit nicht genug. Später könnt ihr in den Dungeons auch Forts errichten, die als Zufluchtsort und Trainingslager für zurückgelassene Helden dienen.

Etrian-Mystery-Dungeon-02Doch findet ihr nicht nur Feinde in der unwirtlichen Gegend, auch trifft man auf andere Charaktere, die sich dorthin gewagt haben und in die eigene Gilde aufgenommen werden können. Ebenso ist eine Händlerin ab dem dritten Dungeon dort anzutreffen, die ständig wechselnde Waren anbietet, die in der jeweiligen Situation unter Umständen das Leben retten können. Denn schnell ist es geschehen, dass man so schlichte Dinge wie Essen oder Heiltränke vergessen hat und die eigene Party leidet. Normalerweise regenerieren sich die Lebenspunkte der angeschlagenen Heroen selbst, doch wenn sie hungern, verlieren sie welche. Dann heißt es möglichst schnell zum Ausgang zu gelangen, denn falls die Heldengruppe im Labyrinth ausgelöscht wird, verlieren sie nicht nur ihre in der Session gesammelten Schätze und Gegenstände, auch angelegte Waffen und Rüstungen können verloren gehen. Später hat man die Möglichkeit, mit sogenannten Helfertrupps, die gefallene Gruppe zurück in die Stadt zu bringen. Da die aber meist schlechter bewaffnet sind als die Hauptgruppe, könnte dies ein schwieriges Unterfangen sein. So entsteht eine gewisse Drucksituation, da jeder neu entdeckte Raum möglicherweise das plötzliche Ende der Entdeckungsreise sein kann.

Etrian-Mystery-Dungeon-03Dies kann durchaus leicht bei den Bossen geschehen, die am unteren Ende des Labyrinths auf einen lauern. Bei diesen Auseinandersetzungen gelten besondere Regeln. Zum einen steuert man jeden Charakter der Gruppe selbst und kann dessen Fähigkeiten individuell einsetzen. Zum anderen ist es auch möglich, aus dem Kampf zu fliehen. Allerdings muss man dazu die Treppe nach oben erreichen. Jedoch kann nur der Truppenführer eine Flucht initiieren, falls dieser bereits bewusstlos am Boden liegt, hilft wohl nur, die Schlacht bis zum Ende zu schlagen. Solltet ihr nur einen Gedanken daran verschwenden, das Spiel zu überlisten und das Gerät einfach auszuschalten: Ich würde es euch nicht raten. Da immer vor einem Dungeon gespeichert wird, wertet das Spiel einen vorzeitigen Abbruch ebenso als Niederlage und ihr verliert eure Gegenstände. Schlimmer noch: Da euch das Rettungsteam nicht mehr nach oben holen kann, sind die Wertsachen für immer verloren. So muss man gegen die Bosse eigene Taktiken entwickeln und das Potential der verschiedenen Charaktertypen voll ausnutzen.

Trotz seiner Einfachheit im Spielprinzip ist das Gameplay sehr vielschichtig, da viel mit der Zusammensetzung der eigenen Gruppe steht und fällt. Anfangs mag man mit Landsknecht, Gunner und Heiler gut bedient sein. Doch in späteren Dungeons wird man doch ordentlich grübeln dürfen, welchen Helden man nun mit in den Trupp hineinpackt. Durch die Fertigkeitsbäume lassen sich Eigenschaften völlig frei ausbilden, auf Wunsch kann man das sogar den Computer überlassen, der bei einem Aufleveln die Fertigkeitspunkte selbst vergibt. Von der Technik her gibt sich das Spiel eher schlicht. Zwar sind die Artworks hübsch gezeichnet und von einem grandiosen Soundtrack hinterlegt, jedoch ist das Spiel selbst nur in einfache Menüs gehalten. Es gibt keine Videosequenzen und auch die Texte wurden im Englischen belassen. Doch das ist es nicht, worauf es in dem Spiel ankommt.

Bereits auf dem Nintendo DS habe ich zwar mit Pokémon Mystery Dungeon bereits einen Titel der besagten Reihe gespielt, doch erst mit Etrian Mystery Dungeon hat das Gameplay bei mir gezündet. Die Symbiose der Etrian-Odyssey-Spielwelt mit dem roguelike Gameplay eines Mystery-Dungeon-Titels harmoniert für mich perfekt und motiviert mich stets weiterzumachen. Zugegeben, das Spiel ist durchaus komplex und ist auch immer fordernd, bietet aber selbst Einsteigern genug Hilfen an, um sich dem Spielprinzip anzunähern. Allerdings muss man gewillt sein, sich etwas in die Materie einzuarbeiten, denn geschenkt wird einem auch hier nichts. Die Technik gibt sich dabei solide, dafür ist der Soundtrack geradezu famos. Wer etwas mit einer der beiden Serien anfangen kann, der kann sich auf wochenlangen Spielspaß freuen und das soll schon was heißen.

Review verfasst für neXGam.de

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Veröffentlicht am September 30, 2015 in Reviews und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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