Akalabeth – der Ultima Urvater

Gaming war damals vor dreißig Jahren noch anders. Hier wurde vor allem durch Text eine dichte Atmosphäre erzeugt, da man grafisch aufgrund der Hardware nicht dazu in der Lage war, filmreife Sequenzen zu erzeugen, wie es heutzutage der Fall ist. Es war auch eine Zeit, in der man im Alleingang quasi im Kinderzimmer einen Klassiker basteln konnte. Was heute im Jahr 2014 undenkbar wäre. In den 70ern war man fasziniert von Fantasytiteln. Davon zeugen Spiele wie Hunt the Wumpus oder die Zork Trilogie, die zwar nur in Textform das Spielgeschehen zeigten, aber dennoch eine ganz eigene Atmosphäre dadurch erzeugten. Vor allem Ersteres war damals in Fankreisen sehr beliebt und galt Richard Garriott offensichtlich als Inspiration für seine anfänglichen Schritte als Spieldesigner.

Akalabeth (PC) Review ZockanovaAkalabeth – World of Doom war sein Erstlingswerk, das seit neuestem auch auf GOG erhältlich ist. Grund genug für mich, mir das Spiel zu holen und näher anzutesten. Bin ich doch ein riesiger Fan der Ultima Reihe, zumindest von den ersten Teilen der Serie. Das Spiel mit dem seltsam anmutenden Titel ist dabei ein reinrassiger Dungeoncrawler, wie man es von Hack oder den anderen Roguelike Spielen kennt. Heißt also, dass jeder Spielverlauf unterschiedlich, die grundlegende Aufgabe aber die selbige ist. Zunächst erschaffen wir unseren Charakter, dies geschieht aufgrund der Eingabe seiner Glückszahl, die das Programm als Basis für die Berechnung der Eigenschaften des virtuellen Alter Egos nimmt. Diese werden verteilt auf die Fertigkeiten, die man bei Missfallen neu auswürfeln lassen kann. Hat man seine favorisierten Werte gefunden, legt man fest, ob man lieber ein Kämpfer oder ein Magier sein möchte. Nach dieser Frage folgt das eigentliche Spiel.

Wir starten dabei in einem Abenteuerladen, in dem wir unsere erste Ausrüstung erwerben können. Das anfängliche Gold liegt in der Hand des Zufalls, da es zu Beginn ausgewürfelt wird. Es allerdings sind nur eine Handvoll Dinge, die man kaufen kann. Wichtigstes Gut sind die Essensrationen, die man stets mitführen sollte, denn jeder Schritt verbraucht diese. Geht das Essen aus, sterbt ihr einen qualvollen Tod, egal wie kräftig ihr schon seid. Ansonsten müsst ihr euch noch bewaffnen, zumindest soweit es euer Startgold hergibt. Das Rapier ist die stärkste Waffe, fernab davon gibt es eine Axt, Pfeil und Bogen sowie magische Amulette, bei denen man nie weiß, welchen Zauber sie innehaben.

Akalabeth (PC) Review ZockanovaHaben wir unser Geld verprasst verlassen wir den Laden und gelangen an die Oberwelt. Diese wird eher abstrakt mit Symbolen dargestellt, die nicht wirklich aufschlussreich sind, sofern man deren Bedeutung erkennt. In der Landschaft gibt es neben weiteren Abenteuerläden noch Dungeons, die man erforschen muss, um zu Gold und Ruhm zu gelangen. Das nächste Ziel soll aber das Schloss des legendären Lord British sein, dem wir unsere Dienste anbieten. Er hat stets eine Quest für uns parat und die erste ist, den fürchterlichen Gelatinewürfel niederzustrecken, der in einem der düsteren Gewölbe haust. Leider sind diese schrecklichen Kreaturen nicht nur stark, sondern verschanzen sich auch tief unten in den Labyrinthen, die wir mit der anfänglichen Erfahrung nur mit sehr viel Glück erreichen könnten. Deshalb begnügen wir uns damit, erstmal einen kurzen Einblick in ein Dungeon zu erhaschen.

Erst einmal dort angekommen schaltet das Spielgeschehen in die Egoperspektive um. Hier bewegen wir uns Schritt für Schritt in einem Labyrinth vorwärts, dass jedes Mal neu generiert wird, sobald wir es betreten. Neben den Leitern, mit denen man ein Stockwerk hinauf- oder hinabsteigt, findet man hin und wieder Kisten vor, die Schätze enthalten könnten. Natürlich streifen auch Monster durch die Gewölbe, die wir mit unseren Waffen bekämpfen können. Je weiter wir uns vorwagen, desto stärker und zahlreicher werden die Kreaturen, deshalb sollte man stets abwägen, ob man ein weiteres Level erkundet oder nicht. Erfreulich ist allerdings, dass man in den Dungeons weit weniger Essen verbraucht, als noch auf dem Lande, doch muss man sich vor Diebe und Gremlins in acht nehmen, die Essensrationen entwenden. Möchte man sich zurückziehen, ist es notwendig, wieder an die frische Luft zu gelangen. Hat man das geschafft, erhält man eine gewisse Zahl an Lebenspunkten zurück, damit der Charakter stärker wird. Erfahrungspunkte und Stufenaufstiege im klassischen Sinne gibt es in Akalabeth nicht.

Akalabeth (PC) Review ZockanovaAufgrund des Alters wird das komplette Spiel nur mit Tastatur gesteuert. Heißt also, man muss sich wohl ober übel die Kurztasten für Angriff, das Inventar oder das Klettern einprägen, um das Spiel spielen zu können. Wer aber bereits Ultima 1 gespielt haben sollte, dem wird das nicht sonderlich schwerfallen, im Gegenteil. Kenner der Ultima Reihe und dessen Anfänge werden sich sofort heimisch fühlen, da ein Großteil von Akalabeth im späteren Rollenspielhit verwendet wurde. Nicht nur Spielmechaniken, sondern auch die Technik speziell in den Dungeons. Jedoch ist hier alles noch ein wenig ursprünglicher, doch das tut dem Spielspaß überraschenderweise keinen Abbruch. Ich war überrascht, als nach meinem kurzen Anspielcheck dennoch eine knappe Stunde verging. Heißt also, das selbst heute der Urvater von Ultima für eine schnelle Runde gut ist, bietet er genug Abwechslung und Atmosphäre, die man bei heutigen Spielen zum Teil vergeblich sucht.

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Veröffentlicht am Dezember 26, 2014 in Reviews und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Höchste Zeit mal etwas Leben in deine Bude zu bringen!

    Akalabeth ist eins dieser Spiele, die damals an mir vorbei gingen. Von den ersten Ultimas hatte ich zwar gehört, als C64-Besitzer aber nie in der Hand gehabt. Meine ersten Rollenspielerfahrungen machte ich mit den SSI D&D Spielen Pool of Radiance und Curse of the Azure Bonds. Fand ich beide zwar irgendwie gut, die habe ich aber nie beendet. Erst BattleTech: The Crescent Hawk’s Inception hat mich dank des Settings gefesselt und war das erste RPG das ich zu Ende brachte. Dadurch kaufte ich mir dann auch das Battletech Tabletop und jede Menge (trashiger Jugend-)Romane dazu. Aber wir schweifen ab. 😉

    Mit Eye of the Beholder auf dem Amiga und später auf dem PC Lands of Lore, Dungeon Hack, Anvil of Dawn und Stonekeep deckte ich dann meine Wissenslücke bezüglich 1st-Person-Dungeon-Crawlern ab. Akalabeth bietet dank des generierten Labyrinths zwar immer neue Herausforderungen, aber das Drumherum ist für mich dann glaube ich doch zu krude. Grafik ist zwar nicht alles, aber Mausunterstützung möchte ich z.B. doch nicht missen.

    Dank Ultima Online, was ich mehrere Jahre spielte, wurde ich zwar doch noch ein später Ultima-Fan (Zeit für ein Geständnis: VII, VIII und IX habe ich zwar angespielt, aber nie ernsthaft angegangen), aber das reicht nicht, um mir die alten Teile heute noch anzutun. Teil VI könnte die Schmerzgrenze sein, wenn ich irgendwann mal wieder die Zeit für ein ernsthaftes RPG finde. Teil VII steht aber auf meiner „unbedingt noch spielen“-Liste.

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